SBK: Jan Mohr und die Frage nach der Zukunft

SBK: Jan Mohr und die Frage nach der Zukunft

Jahn Mohr: Der Österreicher gehört seit Jahren zur Superbike-Klasse wie das Feuer zur Flamme. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele

Jan Mohr hatte mit knapp 900 Kilometern die weiteste Anreise nach Assen. Ob er sich die lange Fahrt zum TT Circuit im kommenden Jahr noch einmal antut, weiß der Österreicher selbst noch nicht. Die Frage ist grundsätzlicher: Wo ist sein Platz in der EURO MOTO Superbike-Klasse, in der die Rundenzeiten immer schneller und die Abstände immer kleiner werden?

Seit neun Jahren fährt Jan Mohr jetzt in der Superbike-Klasse. Highlight ist bis heute sein zweiter Platz auf dem Lausitzring im Jahr 2022. Es war dieselbe Saison, in der er im Juli auf dem Schleizer Dreieck bei Tempo 250 schwer verunglückte. Damals war sogar fraglich, ob der heute 28-Jährige überhaupt noch einmal Rennen fahren würde. Er kämpfte sich zurück. Sein Bruder Ken hielt diesen harten Weg zurück an die Rennstrecke sogar in einem emotionalen Dokumentarfilm fest.

Jetzt denkt Mohr über die Zeit nach 2026 nach. „Der Level in der Klasse liegt extrem hoch und es besteht kaum eine Chance, weiter nach vorne zu kommen. Ich bin schneller geworden, aber es reicht nicht.“ Sieben Top-Ten-Plätze in zehn Rennen, aber keiner davon in Podiumsnähe, stellen ihn nicht zufrieden. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder diese Highlights, die Mohr am Rennsport so liebt. Im Pre-Practice der Euro Moto Superbike in Assen gelang dem Fahrer vom Team Masteroil-alpha-Van Zon-BWM der sofortige Sprung in die begehrte Superpole 2. Dort eroberte er den siebten Startplatz und durfte somit aus der dritten Startreihe losfahren.

Im ersten Rennen hatte er sich nach wenigen Runden auf dem neunten Platz eingenistet, doch die Fahrt Richtung Top-Ten-Platz endete im Kies. In der letzten Runde sah man den Österreicher plötzlich als Fußgänger über die Überwachungsmonitore marschieren. „Ich habe das Rennen durchgepusht“, schildert er seinen Sonntag. „Auch wenn mir der Abstand zur Spitze nach wie vor zu groß war, lief es schon im Training super für uns. Im Rennen habe ich gemerkt, dass mein Vorderreifen abbaut. Gegen Ende wurde Kevin Orgis vor mir etwas langsamer. Ihn wollte ich unbedingt noch schnappen.“ Der Ehrgeiz war größer als der Grip. Ohne Feindkontakt und ohne Attacke von Orgis verlor Mohr das Vorderrad und landete auf dem Hosenboden.

Bis zum zweiten Rennen war die BWM wieder fit und Mohr lobte seine Mannschaft. „Ohne die könnte ich vielleicht in drei Wochen wieder fahren, wenn ich das selbst hätte richten müssen. Volle Attacke im zweiten Rennen.“

Ganz so einfach wurde es allerdings nicht. Denn Florian Alt schoss beim Start nach vorne. „In der ersten Kurve habe ich alles verbockt“, gab Mohr zu. „Flo hatte einen Granaten-Start, ich wollte außen dagegenhalten. Er zog dann direkt rüber, ich wollte in seinen Windschatten und war wohl etwas spät und kam weit raus.“ Der Schwung war weg. Dazu musste Mohr nach dem Ausrutscher aus Rennen eins erst wieder seinen Rhythmus finden. „Ab Rennmitte war ich ohne großes Risiko unterwegs“, sagte er. Platz neun sprang am Ende heraus.

Ein weiteres Top-Ten-Ergebnis also. Für Jan Mohr bleibt nach Assen nicht nur die Frage, wie lang der Weg nach vorne noch dauert – sondern auch, ob er ihn auch weitergehen will. Der Österreicher sitzt zwischen den Stühlen.