SBK: Tulo-Sieg auf Bestellung und große Emotionen

SBK: Tulo-Sieg auf Bestellung und große Emotionen

Die erste Entscheidung in der höchsten EURO MOTO-Klasse ist gefallen. Lukas Tulovic hat das Superbike-Rennen gewonnen. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele, Michael Praschak

Lukas „Tulo“ Tulovic träumte von einem Start-Ziel-Sieg mit der nagelneuen Ducati. So der Plan. Im Training hatte der 25-jährige Titelverteidiger auf dem Sachsenring bereits den vor zwei Jahren aufgestellten Streckenrekord geknackt. Twan Smits machte ihm auf der einzigen Yamaha im Feld einen Strich dazwischen. Dass Tulo am Ende gewann, war keine Überraschung, der zweite Platz von Superbike-Rookie Marcel Schrötter vor dem vierfachen Champion Markus Reiterberger umso mehr. Die Beiden hatten im Trio mit Hannes Soomer um die zwei verbleibenden Podiumsplatzierungen gekämpft.

Tulovic (Triple M Racing Ducati Frankfurt) fuhr ab der zweiten Runde ein einsames Rennen an der Spitze. Dass er den zu Beginn stürmischen Twan Smits in der zweiten Runde kassierte, war zu erwarten. Tulo galt nach seiner Vorstellung im Qualifying als gesetzt für den Sieg. Die Titelverteidigung ist bei dem starken Ducati-Paket die große Maßgabe. Ein anderes Ergebnis als ein Sieg zum Saisonauftakt wäre eine Enttäuschung gewesen. Dass es sich um einen Vorsprung von 4,8 Sekunden handeln würde, war vorher allerdings weder klar gewesen, aber auch nicht ausgeschlossen worden.

Bei der Siegerehrung wurde vor Freude geschrien, geweint und gelacht. Das Team GERT56 by RS Speedbikes lag sich in den Armen und die Tränen liefen ungebremst. Vier Monate nach dem plötzlichen Tod des Teamchefs Karsten „KW“ Wolf fuhr ausgerechnet Rookie Marcel Schrötter aufs Podium. Das wäre ganz nach dem Geschmack von „KW“ gewesen, der große Hoffnungen in den Ex-WM-Piloten gesetzt hatte. Dass Schrötter so auftrumpfen würde, damit hatte jedoch keiner gerechnet. Noch vor dem ersten Rennen sagte der 33-jährige BMW-Fahrer: „Jedes Mal, wenn ich auf dem Motorrad sitze, entdecke ich etwas Neues. Die kurzen Trainingszeiten reichen aber nicht aus, um irgendein Verhältnis dazu aufzubauen. Das richtige Gefühl für das Motorrad habe ich noch nicht und der Level in den Top-9 ist hoch. Deshalb schmeckt es mir nicht, vom siebten Platz aus zu starten.“ Nach seiner Triumph-Fahrt war der Bayer wie ausgewechselt. „Ich hatte keine Ahnung, was in meinem ersten Superbike-Rennen passieren wird, auch mit den Reifen. Mein Platz ist ein Geschenk an „KW“. Das Team und das Motorrad funktionieren. Und der neue „Kutscher“ hat seinen Teil dazu getan.

Dabei hatte er sich rundenlang mit Hannes Soomer und Markus Reiterberger gebattelt (beide Masteroil Alpha Van Zon BMW). Der Este wurde lange als Anwärter für den zweiten Platz gehandelt. Reiterberger kam trotz mehrerer Anläufe auch nicht an seinem Teamkollegen vorbei, erst am Schluss, als Schrötter durchschlupfte. „Wir haben noch viel Potential“, lässt Reiti, der noch längst nicht in Topform ist, als Ankündigung jedoch schon einmal wissen.

Der anfangs Führende Twan Smits (Team Apreco) fand sich am Ende hinter Kevin Orgis wieder, der aus dem sächsischen Familien-Team ORM Racing stammt. Und wo blieb Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion), der Meister von 2023, der damals Honda wieder in die Schlagzeilen brachte? Er hatte es geahnt oder besser befürchtet: P8. „Wir haben derzeit nicht die schärfste Feuerklinge im Feld“, hatte er angekündigt. „Wir befinden uns zwar auf einem so hohen Niveau wie noch nie, aber BMW hat ein neues Chassis, Ducati ein ganz neues Motorrad und Yamaha drei Concession Parts. Wir müssen schauen, wie wir das geregelt kriegen.“ Das derzeitige Basismotorrad bei Honda stammt aus dem Jahr 2020 und erhielt bisher diverse Updates. Ein wirklich neues Modell wird es 2027 geben.

Einen Dämpfer gab es für Jan-Ole Jähnig (GERT56 by RS Speedbikes). Er konnte es nicht abwarten, dass die neue Saison beginnt und praktizierte einen Frühstart. Die doppelte Long-Lap-Strafe kostete ihn etwa sechs Sekunden.

EURO MOTO SUPERBIKE, 1. Lauf
1. Lukas TULOVIC (DEU/Ducati)
2. Marcel SCHRÖTTER (DEU/BMW)
3. Markus REITERBERGER (DEU/BMW)
4. Hannes SOOMER (DEU/BMW)
5. Kevin ORGIS (DEU/BMW)
6. Twan SMITS (NLD/Yamaha)
7. Lorenzo ZANETTI (ITA/Ducati)
8. Florian ALT (DEU/Honda)
9. Toni FINSTERBUSCH (DEU/BMW)
10.Jan MOHR (AUT/BMW)
11.Leon ORGIS (DEU/BMW)
12.Soma GÖRBE (HUN/BMW)
13.Jan-Ole JÄHNIG (DEU/BMW)
14.Marco FETZ (DEU/BMW)
15.Milan MERCKELBAGH (NLD/BMW)
16.Christoph BEINLICH (DEU/BMW)
17.Patrick HOBELSBERGER (DEU/Honda)