SBK: Tulovic gewinnt die Hitzeschlacht über 16 Runden

SBK: Tulovic gewinnt die Hitzeschlacht über 16 Runden

Das Siegermotorrad musste sofort in die Kühlung. Nach 16 Rennrunden glühte die Ducati Panigale. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Michael Praschak

Nach dem Doppelschlag vom Sachsenring hat Ducati-Spitzenreiter Lukas Tulovic auch das erste EURO MOTO Superbike-Rennen in Most gewonnen. Drei Motorradmarken waren auf dem Podium vertreten. Florian Alt war für Honda erfolgreich und Marcel Schrötter für BMW.

Die Hitze war fast unerträglich. Die Asphalttemperatur wurde mit 51 Grad Celsius angegeben. „Wenn Du im Pulk fährst, dann entsteht sofort ein brachialer Wärmestau am Motor“, hieß es in der GERT56-Box. Doch das war nicht das einzige Problem. Wie schon im letzten Jahr wurden in Most wegen der heißen Temperaturen andere Pirelli-Reifen ausgegeben. Die Erfahrungswerte mit dem Einheitsreifen D0922 halten sich in Grenzen, die Abstimmungsarbeiten an den Motorrädern gestalteten sich schwierig.

Um die Fahrer nicht zu lange der Hitze auszuliefern, kam vor dem Rennen das Quick-Start-Prozedere zur Anwendung. Sieben Minuten vor dem Start wurde die Boxengasse eine Minute lang geöffnet. Am Grid stand ein einziges Teammitglied. Keine Überprüfung mehr am Motorrad, kein Austausch – alles passierte ganz schnell. Superbike-Fahrersprecher Toni Finsterbusch hatte nach Rücksprache für die Quick-Start-Variante plädiert, aber nicht für eine Kürzung der Renndistanz. Es ging also über die kompletten 16 Runden.

Twan Smits (Team Apreco), der mit der Yamaha erstmal aus der ersten Reihe gestartet war, hielt in der ersten Runde Marcel Schrötter, Polesetter Lukas Tulovic (Triple M Racing Ducati Frankfurt) und Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion) in Schach. Tulo, der in Brünn an der Technik der Panigale V4R gescheitert war und im ersten Lauf nur Siebter wurde, stand jetzt wieder vor einer neuen Aufgabe und musste sich sputen. Er war lediglich mit einem 5-Punkte-Polster auf Marcel Schrötter (GERT56 by RS Speedbikes) nach Most gereist. Genau mit diesem legte er sich nun kontaktfreudig an und brachte ihn aus dem Rhythmus. Schrötter musste sogar die Schikane auslassen, achtete aber darauf, dass er mindestens eine Sekunde vertrödelte, um auf die Strecke zurückzukehren und sich keinen Vorteil verschafft zu haben. So verlangen es die Regeln.

In der vierten Runde ging Tulo aufs Ganze, presste sich Smits vorbei übernahm die Führung. Der Niederländer verlor prompt den Schwung. Das nutzte Schrötter sofort aus und übernahm den zweiten Platz. Und dann kam Flo Alt ins Spiel, der zum Schluss noch dazwischen grätschte. Mit einem lupenreinen Manöver unter dem Orlen-Bogen zog der Honda-Fahrer in der vorletzten Runde an der Schrötter-BMW vorbei. Das war „Alt-Land“, und das ließ sich der Nordrhein-Westfale nicht nehmen.

„Wenn man man durchgereicht wird, ist das schon schwierig“, haderte der ehemalige Supersport-WM-Fahrer Schrötter mit dem Ergebnis.“ Aber heute war durch die Hitze alles anders und bekam völlig neue Dimensionen. Alt, der vom fünften Startplatz aufs Treppchen gefahren war, erzählte im Nachhinein, die Honda halbwegs komfortabel abgestimmt zu haben. „Und es war eines der heißesten Rennen, die ich in meiner Karriere bestritten habe.“ Bei der Langstrecken-WM in Suzuka seien die Temperaturen zwar ähnlich, aber es herrsche eine andere Luftfeuchtigkeit.

Tulo führte die Ducati Panigale V4R mit einem Vorsprung von 1,235 Sekunden zum dritten Saisonsieg. „Mein Start war eine Schwäche, die ich schon im letzten Jahr hatte. Aber ich wusste, dass im Anfang des Rennens die Pace habe, um nach vorn zu kommen. Nach den Rennen in Brünn vor vier Wochen waren wir ganz unten. Jetzt ist alles wieder gut.“

Toni Finsterbusch (GERT56) präsentierte sich stark auf der Bremse, arbeitete sich vom siebten auf den vierten Platz nach vorn, musste Twan Smits auf der letzten Rille aber doch noch vorbei lassen. Bei Masteroil Alpha Van Zon BMW schaute der erfolgsverwöhnte Teamchef Werner Daemen wenig amüsiert aufs Ergebnis. Seine Truppe hatte im heutigen ersten Lauf rein gar nichts mit dem Podium zu tun: Hannes Soomer auf P6, Markus Reiterberger auf P7, Milan Merckelbagh P9, Jan Mohr P10, Soma Görbe gestürzt.

EURO MOTO Superbike, Lauf 1

1. Lukas TULOVIC (DEU/Ducati)
2. Florian ALT (DEU/Honda)
3. Marcel SCHRÖTTER (DEU/BMW)
4. Twan SMITS (NLD/Yamaha)
5. Toni FINSTERBUSCH (DEU/BMW)
6. Hannes SOOMER (EST/BMW)
7. Markus REITERBERGER (DEU/BMW)
8. Jan-Ole JÄHNIG (DEU/BMW)
9. Milan MERCKELBAGH (NLD/BMW)
10.Jan MOHR (AUT/BMW)
11.Lorenzo ZANETTI (ITA/Ducati)
12.Leon ORGIS (DEU/BMW)
13.Marco FETZ (DEU/BMW)
14.Christoph BEINLICH (DEU/BMW)
15.Kevin ORGIS (DEU/BMW)