SBK: 34,5 Punkte Vorsprung und trotzdem Vollgas

SBK: 34,5 Punkte Vorsprung und trotzdem Vollgas

Fährt Lukas Tulovic zu seinem zweiten Superbike-Titel? Die Entscheidung fällt am Sonntag. Alles ist möglich. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele

34,5 Punkte Vorsprung vor Marcel Schrötter und trotzdem Vollgas in Hockenheim: Lukas Tulovic denkt offenbar nicht einmal daran, es beim EURO MOTO-Superbike-Finale ruhiger angehen zu lassen. Im Superpole Pre-Practice setzte sich der Titelverteidiger an die Spitze. Die Hand ist fast schon an der Meisterkrone, doch der Ducati-Fahrer will nicht nur verwalten. Ganz vorn zu stehen, ist sein Anspruch.

Trotz allem war es eine enge Entscheidung. Jan-Ole Jähnig (GERT56) fehlten gerade einmal 0,052 Sekunden auf Tulovic (Triple M Racing Ducati Frankfurt). Markus Reiterberger (Masteroil Alpha Van Zon BMW) lag 0,123 Sekunden zurück. Insgesamt blieben elf Fahrer innerhalb einer Sekunde. Nur für die schnellsten sechs geht es ohne Umweg in die Superpole 2, die morgen auf dem Zettel steht.

Behutsame Wiedereingliederung

Reiti strahlte wie lange nicht. Mit dem Rückenwind des Weltmeistertitels aus der Langstrecken-WM führte er heute die Zeitenliste im zweiten freien Training an. Sein Reifentechniker hatte ihn nach der 24-Stunden-Tortur vor einer Woche in Le Castellet in langsamen Schritten wieder an den EURO-MOTO-Sprint gewöhnt: zunächst mit gebrauchten Slicks und erst später mit einem frischen Pirelli SC1, dem Allrounder mit seinem breiten Temperaturfenster.

Florian Alt (Holzhauer Racing Promotion), Marcel Schrötter (GERT56) und Toni Finsterbusch (GERT56) schafften ebenfalls den Direkteinzug in die Superpole 2. Theoretisch könnte auch Schrötter noch der neue EURO MOTO Superbike-Champion werden und Tulovic die Krone entreißen. Bei den Rennen auf dem Nürburgring kam er beide Mal vor Tulovic ins Ziel. Schrötter und das Team GERT56 hoffen, dass es jetzt zwei Siege werden – mit möglichst vielen Fahrern zwischen sich und Tulovic.

„Und dann werden wir sehen, was am Ende herauskommt“, sagt der 33-jährige BMW-Fahrer und fügt hinzu, „Was den Streckenverlauf angeht, wird es für mich wieder einmal spannend. Es ist schon sehr lange her, dass ich in Hockenheim ein Rennen gefahren bin. Zumindest konnte ich mich vor zwei Monaten als Coach bei einem Hafeneger-Renntraining wieder mit der Strecke vertraut machen. Es war definitiv keine schlechte Idee, ein paar Runden zu drehen, auch wenn ich weit vom echten Renntempo entfernt war.“

Martin Vugrinec (BCC Racing), Hannes Soomer (Masteroil Alpha Van Zon BMW), Kevin Orgis (ORM), Jan Mohr (Masteroil Alpha Van Zon BMW), Lorenzo Zanetti (Triple M Racing Ducati Frankfurt) Milan Merckelbagh (Masteroil Alpha Van Zon BMW), Marco Fetz (MF Racing Powered by Jung) und Bálint Kovács (Deussen Engines) müssen morgen in der Superpole 1 antreten. Für die drei Schnellsten geht es noch weiter in die Superpole 2 ein. Dort werden die endgültigen Startplätze für die ersten drei Reihen der beiden Sonntagsrennen vergeben.

Kovács muss bis dahin erst einmal seinen Trainingssturz verdauen. Der Gastfahrer aus Ungarn ging in der ersten Kurve der zweiten Runde zu Boden.Und vielleicht bekommt auch Leon Orgis morgen noch seine Chance. Der jüngere der beiden Orgis-Brüder stürzte im freien Training, blieb selbst unverletzt, musste wegen eines Kratzers am Helm allerdings im Medical Center vorstellig werden. Dort bekam er anschließend grünes Licht. Fraglich ist hingegen, ob die schwer verwundete BMW wieder gerettet werden kann.

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